Studiengang Sprachtherapie
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Elisabeth Leiss ist verstorben

Elisabeth Leiss ist verstorben

 

Am 7. Januar 2026 ist unsere langjährige Kollegin Elisabeth Leiss gestorben. Sie hat die Germanistische Linguistik an der LMU seit 2002 zwei Jahrzehnte lang entscheidend geprägt. Dauerhafte Spuren hat sie zudem durch die Einrichtung der Sprachtherapie-Studiengänge in Kooperation mit der Sprachheilpädagogik (Fakultät 11) hinterlassen – der BA Sprachtherapie war bei seiner Einführung der erste BA-Studiengang unserer Universität.
Nach dem Studium der Germanistik, Romanistik und Philosophie für das Lehramt wurde Elisabeth Leiss 1982 im Alter von nur 25 Jahren an der Universität Erlangen mit einer Arbeit zu semantischen Universalien promoviert. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Assistentin widmete sie sich in den darauffolgenden Jahren der Erstellung ihrer Habilitationsschrift, die 1992 erschien. Nach ihren Rufen auf eine Professur an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg (1995) und schließlich an die LMU (2002) pflegte sie auch intensive Kontakte vor allem nach Brasilien und Japan.
Im Zentrum ihrer Forschung stand die Architektur der grammatischen Kategorien aus synchroner und diachroner Sicht. Ihre Schriften „Die Verbalkategorien des Deutschen“ (1992) und „Artikel und Aspekt“ (2000) gelten als grundlegend einerseits für die Beschreibung des Deutschen, andererseits für die grammatiktheoretische Position von Elisabeth Leiss. Die Fähigkeit, die kategorialen Schienen der traditionellen Grammatikographie zu verlassen, zeichnete sie dabei in besonderem Maße aus. Sie schlug sich nieder in dem gegenüber Studierenden lächelnd vorgetragenen Satz, die „Grammatik im Kopf“ sei eine andere „als die im Duden“. Zu manchen linguistischen Themen wie der Rechtschreibung bezog sie streitbare Positionen, auf denen sie nicht nur in Seminaren und auf Kongressen, sondern auch in philosophischen Gelegenheitsgesprächen – nach Gremiensitzungen, in der Teeküche oder beim Spaziergang mit Hund im Englischen Garten – stets in größter Freundlichkeit bestehen konnte.
Ihr großes Talent, das sie gerade für viele junge LinguistInnen zu einem Vorbild machte, lag darin, vermeintlich disparate Ansätze und Themen in der Lehre wie in der Forschung miteinander zu denken und aufeinander zu beziehen. So gelang es ihr, in ihrer akademischen Laufbahn in ganz unterschiedlichen linguistischen Bereichen zu forschen und wegweisend zu publizieren, angefangen von Fragestellungen der klinischen Linguistik über verbale und nominale Kategorien, Sprachgeschichte, Grammatiktheorie, Pragmatik und Modalität bis hin zur Sprachphilosophie.
Wir trauern um eine originelle, außergewöhnliche Wissenschaftlerin, die uns viel zu früh verlassen hat. Den Austausch mit Elisabeth Leiss werden wir – menschlich wie wissenschaftlich – immer wieder schmerzlich vermissen. Die Spuren, die ihr Wirken hinterlassen hat, werden unsere Erinnerung an sie wachhalten.

Michael Rödel
für das Department I und den Studiengang Sprachtherapie

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